Geschichte der Sammlung

Alexander Conze

Johann Joseph Hilarius Eckhel, der Begründer der wissenschaftlichen Numismatik, war seit 1774 wirklicher öffentlicher Lehrer der Altertümer und der historischen Hilfsmittel an der Universität Wien. In der Folge entstand die Lehrkanzel für Münz- und Altertumskunde, die 1868 von der Lehrkanzel für Archäologie abgelöst wurde. Als deren erster Inhaber wurde am 14.10.1868 Alexander Conze berufen. Unter Conze begann der Aufbau einer archäologischen Sammlung, bereits am 2.11.1869 wurde das erste Objekt, der Abguß eines weiblichen Kopfes aus dem Heraion von Argos, angekauft. Bis zu seiner Emeritierung wurden insgesamt 29 Gipse teils durch Kauf, teils durch Schenkung erworben.

Otto Benndorf

Conzes Nachfolger Otto Benndorf, der die Lehrkanzel zwischen 1877 und 1897 innehatte, setzte den Aufbau der Sammlung fort. 1878 kamen die ersten Originale durch eine Schenkung des russischen Hofmalers Stöckler in die Sammlung. Bis zum Abtreten Benndorfs, der 1897 das neugegründete k.k. Österreichische Archäologische Institut übernahm, wuchs der gesamte Bestand auf über 700 Inventarnummern an.

Felix von Luschan

In den Jahren 1904 und dann wieder 1921 kamen aus dem ehemaligen österreichischen Museum für Kunst und Industrie (nunmehr das Museum für Angewandte Kunst) insgesamt 60 Gipse in die Sammlung, 12 weitere konnten gerettet werden, als der Rektor der Akademie der Bildenden Künste im Jahre 1936 seine Gipsabgüsse aus dem Fenster werfen ließ. Die Originale erfuhren vor dem 2. Weltkrieg u.a. durch die Legate der beiden Gelehrten Eugen Oberhummer und Felix von Luschan Zuwachs.

Nach dem Krieg sind neben kleineren Schenkungen vor allem die neu hinzugekommenen Gipsreliefs der Sammlung Lanckoronski zu erwähnen, die zum Teil verschollene, zum Teil heute stärker verstümmelte Originale aus Pisidien und Pamphylien wiedergeben. Die Originalsammlung wurde durch griechische Vasen der Sammlung G. Tschmelitsch, sowie durch provinzialrömische Objekte aus der Sammlung Weinfurter erweitert.
Umfangreiche Neuzugänge an Gipsen und Modellen stehen in Zusammenhang mit den Grabungen des Institutes für Klassische Archäologie in Limyra (Leitung: Jürgen Borchhardt, bis 2002) und Velia (Leitung: Fritz Krinzinger, seit 2002 Verena Gassner). Ihren jüngsten Zuwachs an Originalen verdankt die Sammlung der Großzügigkeit von Dr.med. Irmgard Oberhummer, der Enkelin des oben erwähnten Eugen Oberhummer, die der Sammlung, angeregt durch die Publikation der Kypriaka aus dem Legat ihres Großvaters, zwei weitere kyprische Vasen zum Geschenk machte.

Aufstellungsorte der Sammlung

Als Alexander Conze 1868 an die Lehrkanzel für Archäologie berufen wurde, stellte man ihm zuerst lediglich ein Schränkchen für seine Bibliothek und seine Lehrmittel im Versammlungszimmer der Philosophischen Fakultät zur Verfügung. Diese befand sich in jenen Jahren noch im Gebäude der Alten Universität im ersten Wiener Gemeindebezirk. Aus Platzmangel dürften die Gipse provisorisch in der k.k. Akademie der Bildenden Künste untergebracht worden sein.
Im Bauplan für die Neue Universität am Schottenring waren Räumlichkeiten für die Gipsammlung im Ausmaß von 540 m2 vorgesehen. Die Übersiedlung der Archäologischen Sammlung fand 1884 statt. In einem langen Gang reihten sich acht Zimmer, die für die Aufnahme der Gipse in chronologischer Folge bestimmt waren. In diesem Jahr wurde die Sammlung auch eine selbständige Verwaltungseinheit, die von einem Assistenten betreut wurde und über ein eigenes Budget verfügte. Diese Regelung blieb bis 1945 bestehen, dann wurde die Sammlung dem Archäologisch-Epigraphischen Seminar angegliedert, das im Jahr 1954 in "Institut für Alte Geschichte, Archäologie und Epigraphik" umbenannt wurde.

Im Jahr 1984 wurde die Auflösung dieses Instituts beschlossen, das neugebildete "Institut für Alte Geschichte, Altertumskunde und Epigraphik" verblieb in den Räumlichkeiten der Neuen Universität, während das ebenfalls neugegründete "Institut für Klassische Archäologie" und der größte Teil der archäologischen Sammlung, mit Ausnahme der epigraphischen Objekte, 1989 in das Gebäude der ehemaligen Hochschule für Welthandel übersiedelte.
Am neuen Aufstellungsort sind die Gipsabgüsse in zwei großen Räumen im sog. "Zubau" zur Franz-Klein-Gasse und Gymnasiumstraße untergebracht. Im Erdgeschoß umgeben Abgüsse von griechischen Statuen sowie griechischen Grab- und Weihreliefs einen kleinen Seminarraum. Im Untergeschoß befinden sich Abgüsse von Bauplastik (darunter eine bemerkenswerte Anzahl von Reliefs lykischer Bauten) und von griechischen und römischen Porträts. Zu sehen sind ferner Architekturmodelle sowie ausgewählte originale Tongefäße und Tonfiguren.

Aufstellung der Gipse in der "Neuen Universität" am Schottenring

Teilansicht des Statuenraums am heutigen Standort