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Die Steinbrüche von Palmyra

Projekträger: Universität Wien, Deutsches Archäologisches Institut, Generaldirektion der Altertümer und Museen Syriens

Projektleitung: Andreas Schmidt-Colinet, Waleed al-As'ad

Kooperationspartner: Katholische Universität Leuven

Steinbruch 1, zum Abtransport bereitgelegte Säulenschäfte, 3. Jh. n. Chr.

Die Steinbrüche für harten Kalkstein für Bauten und Skulpturen Palmyras wurden z.T. erst in den 80er Jahren wiederentdeckt. Im Steinbruch verbliebene Halbfertigprodukte ("Rohlinge") geben Aufschlüsse über Bruch- und Verarbeitungsmethoden sowie über die Transportmittel. Ein Kanal- und Zisternensystem stellte die Wasserversorgung der Arbeiter sicher. Aus verworfenen Werkstücken errichtete "Drachenhäuser" dienten als Unterkünfte für Wächter und als Materiallager.

Steinbruch 3, "Drachenhaus", 1. Jh. n. Chr.

Der zu Beginn des 2. Jhs. in Palmyra erkennbare Bauboom und der damit zusammenhängende sprunghaft angestiegene Bedarf an Baumaterial spiegelt sich in neuen Abbautechniken im Steinbruch wieder. Umgekehrt hatten neue Bruchtechniken ihre Rückwirkung auf Bautechnik und Baumentalität in der Stadt. Aus solchen Beobachtungen ergeben sich neue und gesicherte Daten für die zeitliche Abfolge einzelner Baukomplexe im Stadtgebiet von Palmyra.

Die Urbanistik des vorrömischen Palmyra

Kooperationspartner: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege; Technische Universität München, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
Finanzierung: FWF, Universität Wien

Das vorrömisch-"hellenistische" Palmyra wurde südlich der späteren "römischen" Stadt in einem Gelände vermutet, das in nachantiker Zeit nicht mehr überbaut worden ist. Damit bietet dieses Areal ideale Voraussetzungen, zum ersten mal im syrischen Raum "hellenistische" Wohnstrukturen grossflächig zu untersuchen.

Zunächst wurde eine geophysikalische Prospektion des Geländes durchgeführt. Damit wurden auf einer Fläche von ca. 20 ha unterirdische antike Bebauungsstrukturen sichtbar gemacht (Abb. 1). Durch Testgrabungen wurden die geophysikalisch erhobenen Daten verifiziert und durch stratigraphische Untersuchungen einerseits eine Datierung der entsprechenden Baustrukturen zwischen dem 3. Jh.v.Chr. und dem 3. Jh.n.Chr. gesichert. Andererseits wurde im Zentrum der Stadt ein monumentaler Bau freigelegt, der als Residenz eines Handelsherren interpretiert werden kann (Abb. 2), und der die weitreichenden wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen Palmyras in ein neues Licht setzen.

Abb. 1: Magnetogramm des Areals der hellenistischen Stadt
Abb. 2: Areal der hellenistischen Stadt: Späthellenistisch-kaiserzeitlicher Residenz eines Handelsherren, Grundriss

Vergoldete Stuckfragmente aus dem Residenzbau

Hervorzuheben sind reiche, zum Teil vergoldetet Stuckfriese (Abb. 3) und Wandmalereien. Das Projekt wurde mit einer permanenten Ausstellung im Museum von Palmyra (2010) und einer zweibändigen Publikation (Juni 2013) abgeschlossen.

Literatur:

  • Kh. al-As'ad - A. Schmidt-Colinet, Zur Urbanistik des hellenistischen Palmyra. Ein Vorbericht, Dam. Mitt. 12, 2000, 61-93 Taf. 7-16.
  • A. Schmidt-Colinet - Kh. al As'ad, Archaeological News from Hellenistic Palmyra, Parthica 4, 2002, 157-166.
  • A. Schmidt-Colinet, Zur Urbanistik von Palmyra. Alte und neue Fragen, in: Stadt und Landschaft in der Antike. Anodos Suppl. 3 (Trnava 2003) 7-34 Abb. 1-35.
  • ders., Zur Urbanistik von Palmyra "Die Steinbrüche von Palmyra" Das Tempelgrab 36 und die palmyrenische Grabarchitektur - Die Textilien von Palmyra, in: F. Meynersen (Hrsg.), 25 Jahre archäologische Forschungen in Syrien 1980-2005 (Damaskus 2005) 88-97. 162-167.
  • ders., Twenty Years of the Syro-German Mission at Palmyra, Annales Archéol. Arabes Syriennes 45/46, 2002/03 (2005), 207ff.
  • ders., A new Tessera from Palmyra. Questions of Iconography and Epigraphy, in: E. Cussini (Hrsg.), A Journey to Palmyra. Collected Essays to Remember D.R. Hillers (Leyden/Boston 2005) 166-180 Abb. 1-10.
  • ders., Stuck und Wandmalerei aus dem Areal der "hellenistischen Stadt" von Palmyra, in: P. Bielinski - M. Stepniowski (Hrsg.), Aux pays d' Allat, Mélanges offerts à M. Gawlikowski (Warschau 2005) 225-241 Abb. 1-18.
  • A. Schmidt-Colinet (Hrsg.), Palmyra. Kulturbegegnung im Grenzbereich (3. Aufl. Mainz 2005) 83-90 Abb. 132-148.
  • F. Laubenheimer – Kh. al-As'ad – A. Schmidt-Colinet, Des amphores à Palmyre. Le matériel des fouilles récentes de la mission syro-allemande. Mit Beiträgen von G. Schneider und N. Garnier, in: M. Sartre (Hrsg.), Productions et échanges dans la Syrie Grecque et romaine. Coll. Tours 2003, Topoi Suppl. 8 (2007) 329-355.
  • A. Schmidt-Colinet – Kh. al-As'ad, Zur Urbanistik des hellenistischen Palmyra. 2. Vorbericht, ZOrA 1, 2008, 452-478 Abb. 1-20 (zus. mit R. Ployer und Ch. Römer-Strehl)
  • G. A. Plattner – A. Schmidt-Colinet, Untersuchungen im hellenistisch-kaiserzeitlichen Palmyra, in: S. Ladstätter – V. Scheibelreiter (Hrsg.) Städtisches Wohnen im östlichen Mittelmeerraum 4. Jh. v. Chr. – 1. Jh. n. Chr. Akten des Intern. Koll. Oktober 2007 an der ÖAW Wien, Archäologische Forschungen Bd. 18 (Wien 2010) 417-427.
  • R. Ployer, ein Schwertgehänge der mittleren Kaiserzeit aus Palmyra, in: B. Bastl – V. Gassner – U. Muss (Hrsg.), Zeitreisen. Syrien – Palmyra – Rom. Festschrift für A. Schmidt-Colinet zum 65. Geburtstag (Wien 2010) 185-196.
  • ders., Glas aus Palmyra. Funde aus den Grabungen in der 'hellenistischen Stadt' – Ein Zwischenbericht, in: V. Gassner – M. Meyer (Hrsg.), Standortbestimmung. Akten des 1. Österreichischen Archäologentages 2008 in Wien, Wiener Forschungen zur Archäologie 13 (Wien 2010) 313-320 Abb. 1-12.
  • Chr. Römer-Strehl, Der Pan auf der Lampe. Ein importiertes Leitmotiv und seine palmyrenischen Nachahmungen, B. Bastl – V. Gassner – U. Muss (Hrsg.), Zeitreisen. Syrien – Palmyra – Rom. Festschrift für A. Schmidt-Colinet zum 65. Geburtstag (Wien 2010) 197-200.
  • A. Schmidt-Colinet, Priester beim Festmahl: Etpeni, Symposiarch 130/31 n. Chr. und andere palmyrenische Tesserae, in: C. Lippolis – S. de Mario (Hrsg.), un impaziente desiderio di scorrere il mondo. Studi in onore di Antonio Invernizzi per il suo settantesimo compleanno, Momnografie di Mesopotamia XIV (Firenze 2011) 161-167.
  • Palmyras Reichtum durch weltweiten Handel. Archäologische Untersuchungen im Bereich der gellenistischen Stadt, mit Beiträgen von  Ch. Ertel, J. Fassbinder, G. Forstenpointner, F. Laubenheimer, R. Linck, G. Plattner, R. Ployer, Ch. Römer-Strehl, A. Schmidt-Colinet, W. Szeivert, B. Tober, B. Winkels,  Bd. 1: Architektur, Bd. 2: Kleinfunde (Wien 2013)

Andreas Schmidt-Colinet
(Tel: 0043/1/4277/40601)

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