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Die ländliche Siedlung Pfaffing – Haushamer Feld (OÖ.) (2011–2014)

Projektträger: Institut für Klassische Archäologie
Kooperationen: Oberösterreichische Landesmuseen, Abt. Archäologie: Römerzeit-Mittelalter-Neuzeit;
Museumsverein Vöcklamarkt – Pfaffing – Fornach
Projektleitung: a.o. Prof. Dr. Verena Gassner
Mitarbeiter: Mag. René Ployer
Finanzierung: Universität Wien; Land Oberösterreich; Museumsverein Vöcklamarkt – Pfaffing – Fornach

Die Fundstelle Pfaffing – Haushamer Feld gehörte in der Antike zum westlichen Bereich des Territoriums des Municipiums Iuvavum (Salzburg). Südlich von ihr auf dem Höhenrücken zwischen den Flüssen Vöckla und Dürre Ager verlief die Reichsstraße von Iuvavum (Salzburg) nach Ovilava (Wels). Ihr Verlauf im Gebiet von Vöcklamarkt wird durch einen in Mösendorf gefundenen Meilenstein aus der Zeit des Septimius Severus (193-211 n. Chr.) markiert. Das nördlich dieser Straße liegende Hausruckviertler Hügelland stellt ein fruchtbares Siedlungsgebiet dar, das bereits von den Römern landwirtschaftlich genutzt wurde. Bis jetzt wurden nur wenige Gutshöfe (villae rusticae) tatsächlich ergraben, doch eine Reihe von meist in sekundärer Lage aufgefundenen Grabplatten, wie etwa jene aus Mösendorf oder Mörasing, können als Hinweise auf Gutshöfe gesehen werden und machen die Bedeutung der Gegend deutlich.

Bereits 1933 wurden auf dem Haushamer Feld beim Pflügen die Reste eines Gebäudes entdeckt, das einen Ziegelfußboden aufwies und als Teil eines Gutshofs interpretiert wurde. Die Kleinfunde, darunter eine Münze des Marc Aurel (161-180 n. Chr.), wiesen die Befunde als römerzeitlich aus. Unweit der Mauern kam ein verwitterter Kalksteinblock zu Tage, der als Altar gedeutet wurde.

In den letzten Jahren haben Funde von Keramik und verschiedenen Bronzeobjekten, aber auch von Ziegeln und Mörtelbrocken erneut auf die Bedeutung der Fundstelle hingewiesen. Begehungen machten aber auch deutlich, dass das antike Bauwerk durch die landwirtschaftliche Nutzung bereits stark gefährdet ist, so dass eine archäologische Untersuchung dringend notwendig erschien. Auf Anregung und Wunsch des Heimatvereins Vöcklamarkt-Pfaffing-Fornach führte daher das Institut für Klassische Archäologie der Universität Wien von 2011-2014 an dieser Stelle Lehrgrabungen durch, die in den Jahren 2011 und 2012 durch geomagnetische Messungen der Firma Posselt & Zickgraf sowie 2015 durch Georadarmessungen der Universität Innsbruck (Gerald Grabherr) ergänzt wurden. Die Arbeiten erlaubten wichtige Einblicke in die Entwicklung der Villa. Die Ergebnisse werden im Museum Vöcklamarkt in einem eigenen Ausstellungsraum dargestellt (http://www.museumsverein-voecklamarkt.com/). Die wissenschaftliche Endpublikation wird derzeit von René Ployer und Verena Gassner vorbereitet.

Die Ergebnisse der Kampagnen 2011-2015

Das Hauptgebäude der villa rustica

Anhand der Auswertung von Geomagnetik, Georadar und der archäologischen Grabungen kann der Grundriss des Hauptgebäudes der villa rustica gut rekonstruiert werden. Es handelt sich um einen 42,5 x 28,2 m großen, NNW-SSO orientierten Bau, an dessen West-, Nord- und Ostseite Räume U-förmig um einen großen Hof angeordnet sind. Der 13,6 m breite Hof wird in einen Nord- und einen Südteil geteilt, wobei beide Bereiche etwa gleich groß sind. Die lichte Breite der Räume, die den Hof umgeben, beträgt ca. 5 m, doch lässt sich von der Inneneinteilung nur wenig erkennen. Am deutlichsten sind Raumunterteilungen in den beiden vorspringenden Risaliten zu sehen. Der Nordteil des Gebäudes ist stark verunklart.

Durch die Grabungen konnten Informationen zur Fundamentierung des Gebäudes gewonnen werden. Während die Außenmauern 1,30 m starke Fundamente besaßen, waren die Innenmauern 0,90 m breit. Sie bestanden aus Bruch- und Rollsteinen sowie zahlreichen Ziegelbruchstücken und waren durchschnittlich bis zu einer Tiefe von 0,60 m erhalten, wobei der Bauhorizont bereits zerstört war.

Anhand des Georadars und der Grabungen zeigten sich in beiden Risalit-Bereichen Reste von schmäleren, etwa 0,65 m breiten Fundamenten, die aus kleinteiligen Rollsteinen bestanden und sich in der geomagnetischen Messung nicht abgezeichnet hatten. Da diese schmäleren Mauern von den breiteren Fundamenten geschnitten wurden, stellen sie eine ältere Phase der Anlage dar.

Die Gesamtmaße dieses Vorgängerbaus lassen sich nicht eindeutig fassen. Geht man davon aus, dass die älteren Rollsteinfundamente zu einem zusammenhängenden Bau gehörten, so würde dies ein Gebäude mit einer O-W-Erstreckung von 23,70 m ergeben. Dieser Vorgängerbau wäre damit etwas schmäler als die Risalitvilla. Auf den Auswertungen des Georadars ist deutlich zu erkennen, dass der Vorgängerbau dieselbe Orientierung wie das spätere Haupthaus hatte, jedoch hangabwärts weiter Richtung Süden reichte. Auch er besaß einen Innenhof, der nach Süden hin durch eine Mauer abgeschlossen war. An der westlichen Ecke setzt ein vorspringender, annähernd quadratischer Gebäudeteil an, während im Osten ein anders orientierter quadratischer Raum zu erkennen ist.

Möglicherweise mit den Umbauarbeiten zu einem größeren Hauptgebäude in Verbindung zu bringen ist ein spannender Fund in der Südecke des Westrisalits. In einer Grube, welche die Fundamente der älteren Phase störte, fanden sich vier Knochen vom linken Fußskelett eines Hausrindes sowie ein massiver Meißel aus Eisen, über denen ein Deckel aus grautoniger Keramik lag.

Die gesamte Deponierung war von Bruchsteinen bedeckt. Insgesamt geht aus der speziellen Anordnung der Objekte klar hervor, dass wir es hier mit einer intentionellen, möglicherweise rituellen Deponierung zu tun haben. Aufgrund der stratigraphischen Einordnung und der Lage in einem Innenraum scheint eine Deutung als Bauopfer am wahrscheinlichsten, wobei die Deponierung von Werkzeugen ein bisher nur selten beobachtetes Phänomen ist. Ein Pendant zu diesem Befund konnte unmittelbar östlich des Ostrisalits erkannt werden. In einer mit Bruchsteinen und Flusskiesel abgedeckten Grube fand sich eine kleine Ansammlung von Tierknochen und -zähnen sowie ein flacher Eisengegenstand. Auch hier ist von einer rituellen Deponierung auszugehen.

Der nun durch die geophysikalischen Messungen und den Grabungen bekannte Grundriss des Hauptgebäudes erlaubt die Ansprache eines Typus, der in den letzten Jahren von Raimund Kastler und Stefan Traxler als „Risalitvilla mit langrechteckiger Form und vorgezogenen Risaliten“ bzw. als „Risalitvilla mit Innenhof“ definiert worden war. Sie gehen aufgrund seines häufigen Vorkommens im Flachgau und im westlich anschließenden bayerischen Chiemgau von einem regional begrenzten Vorkommen aus.

Wirtschaftsfunde

Südlich des Haupthauses der villa rustica hatten die geomagnetischen Messungen auf die Existenz von Gruben oder Öfen hingewiesen. Hier konnte ein birnenförmiger Ofen mit Schürkanal freigelegt werden (3,00 x 1,50 m), der nur mehr in seinem untersten, stark verziegelten Teil erhalten war und im Inneren eine dünne Aschenschicht aufwies. Er störte die Fundamente eines älteren Baus und ist daher der zweiten Phase zuzuordnen. Der Form nach könnte es sich sowohl um einen Backofen als auch um einen Keramikbrennofen gehandelt haben. Angesichts einer unmittelbar daneben gefundenen, etwa 1,00 x 1,60 m großen ovalförmigen Vertiefung, die mit großen Kalksteinen verfüllt war, kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich in Hausham ebenfalls um einen Kalkofen handeln könnte.
Nördlich des Gutshofs wurde die östliche der beiden in der Geomagnetik deutlich sichtbaren rechteckförmigen Anomalien freigelegt. Dabei wurde die bereits geäußerte Vermutung, dass wir es hier mit einem Ziegelbrennofen zu tun haben, bestätigt. Während der über dem Benutzungsniveau anzunehmende Aufbau des Ofens völlig zerstört war, war sein in den anstehenden Lehm eingetiefter Unterbau gut erhalten. Die Anlage mit einer Gesamtausdehnung von knapp 7 m war NO-SW ausgerichtet und wies im NO eine Arbeitsgrube auf. Die Feuerkammer maß 2,80 x 2,50 m, war aus rechteckigen Ziegeln aufgemauert und noch 0,80 m hoch erhalten.

Sehr gut erkennbar war nicht nur der anschließende Schürkanal, sondern auch der Gewölbebogen aus Lehmziegeln über der Öffnung des Schürkanals. In der Feuerkammer begrenzten je fünf seitliche aus im Verband versetzten quadratischen Ziegeln errichtete Zungenmauern den in Verlängerung des Schürkanals befindlichen Mittelkanal. Die jeweils gegenüberliegenden Zungenmauern waren ursprünglich mit einem Gewölbebogen aus Ziegeln verbunden, die den breiten Mittelkanal überspannten und die Lochtenne oder eine andere entsprechende Konstruktion stützten.

Vom Gewölbe selbst haben sich nur mehr die Ansätze erhalten. Im hinteren Teil des Ofens wurden zwischen den beiden letzten Zungenmauerpaaren zwei Pfeiler eingebaut, die als Stütze für die Bogenrippen gedient hatten. Die gesamte Anlage war wohl aus ungebrannten Lehmziegeln errichtet worden. Im Befund nachgewiesen werden konnte dies beim Schürkanal, dessen Kanalwangen aus ungebrannten Lehmziegeln aufgezogen und nur an den Innenseiten verziegelt waren, während die Außenseiten noch den rohen Lehm aufwiesen. Durch das Vorheizen beim ersten Brand verziegelten die Bauteile und der Ofen erhielt so die nötige Härte und Tragkraft.

Durch den Brennvorgang wurden aber auch der Untergrund und der an die Seitenwände der Anlage anschließende Lehmboden verziegelt. Der Boden des Schürkanals war mit einer dünnen Schicht aus Asche und Holzkohle überdeckt, die sich bis weit in den Mittelkanal hinein und über die gesamte Fläche der Arbeitsgrube zog. Vom Brennkammeraufbau hat sich nichts mehr erhalten. In den meisten Fällen handelte es sich dabei um feste Brennräume, doch konnte die Ummantelung nach jedem Brand neu errichtet worden sein. Beim Haushamer Ziegelbrennofen ist auch von einem offenen Schachtofen auszugehen, der während des Brennvorgangs provisorisch abgedeckt wurde.

Die ca. 3,40 x 2,30 m große und etwa 0,90 m tiefe Arbeitsgrube war mit zahllosen, meist rot verbrannten Ziegelbruchstücken verfüllt. Diese als Füllmaterial verwendeten Ziegel stammten offensichtlich einerseits von der ursprünglich über dem Heizraum aufgemauerten Brennkammer, andererseits handelte es sich um Fehlbrände des Brennguts. Ebenso war die Heizkammer mit Ziegelschutt, aber auch mit Rohmaterial für die Ziegelherstellung verfüllt. In dem Brennofen wurden zumindest alle für den Gutshof benötigten Ziegelformen hergestellt. Es fanden sich Dachziegel (tegulae und imbrices), Bodenplatten und Hohlziegel für die Wandheizung. Mangels vorhandener Ziegelstempel lässt sich nicht sagen, ob auch die Umgebung mit diesen Ziegeln beliefert worden ist. Auf mehreren Dachziegeln haben sich aber verschiedene Wischzeichen sowie Abdrücke von Tierpfoten erhalten. Hergestellt waren die Ziegel aus einem in der Umgebung der villa rustica anstehenden ockerfarbenen Lehm.

Bei den Grabungen konnte kaum datierendes Fundmaterial gefunden werden. Der Großteil der Funde waren Ziegelbruchstücke. Vereinzelt kamen Schlacken, kleinere Eisenteile und daumennagelgroße Keramikfragmente zum Vorschein. Dieser geringe Fundanfall mag daran liegen, dass im ergrabenen Bereich die antiken fundführenden Schichten, wie Bau- und Zerstörungshorizonte nicht mehr erhalten waren, kann aber auch darin bedingt sein, dass der Acker in den letzten Jahren systematisch von Sondengehern abgesucht worden ist. Eine Grobdatierung der antiken Befunde kann daher nur aus den in den vergangenen Jahren aufgelesenen Kleinfunden gewonnen werden. Darunter sind zahlreiche großteils fragmentierte Fibeln zu nennen, unter denen kräftig profilierte Fibeln und Kniefibeln dominieren, die im Ostalpen- und Donauraum als Leitformen des 1. Jhs. bis zum mittleren 3. Jh. n. Chr. gelten. Die 14 aufgelesenen Münzen datieren in die Zeit von Antoninus Pius (Prägedatum 140-161) bis Gordian III. (Prägedatum 241-244), doch liegt der Schwerpunkt in severischer Zeit (Bestimmung B. Ziegert, Universität Wien). Damit kann die Siedlungstätigkeit auf dem Haushamer Feld grob in das 2. und 3. Jh. n. Chr. gesetzt werden.

Links: Vöcklamarkter Ferienspiel 2012 (mit René Ployer); Rechts: Grabungsteam 2014

Allgemeine Literatur:

 

Publikationen 2011-2015

  • V. Gassner – R. Ployer, Die villa rustica auf dem Haushamer Feld (Gem. Pfaffing, Bez. Vöcklabruck). Ein Überblick über die Forschungen 2011–2014, in: R. Kastler – F. Lang – St. Traxler (Hrsg.), Neue Forschungen zu römischen Gutshöfen in Nordwest-Noricum, ArchaeoPlus (im Druck).
  • V. Gassner – R. Ployer, Ein ländlicher Siedlungsplatz auf dem Haushamer Feld (Vöcklamarkt) im nordwestlichen Noricum, in: Sz. Bíró – A. Molnár (Hrsg.), Ländliche Siedlungen der römischen Kaiserzeit im mittleren Donauraum (Györ 2015) 37–49.
  • R. Ployer, Ein römischer Gutshof zwischen Vöcklatal und Kobernaußerwald. Zu den Untersuchungen auf dem Haushamer Feld bei Pfaffing (Bezirk Vöcklabruck), Der Bundschuh 17, 2014, 11–17.
  • V. Gassner – R. Ployer, Grabungen im Wirtschaftsbereich der villa rustica von Hausham/Pfaffing, Archäologie Österreichs 25/2, 2014, 21–23.
  • R. Ployer, Das Haushamer Feld bei Pfaffing (Oberösterreich) – eine ländliche Siedlungsstelle am NO-Rand des Territoriums von Iuvavum, in: F. Lang – R. Kastler – W. K. Kovacsovics – St. Traxler (Hrsg.), Colloquium Iuvavum 2012. Das municipium Claudium Iuvavum und sein Umland. Bestandsaufnahme und Forschungsstrategien, Tagung im Salzburg Museum, 15.-17. März 2012, Archäologie in Salzburg 8 (Salzburg 2014) 261–271.
  • R. Ployer, Untersuchungen zur Besiedlung des südlichen Hausruckviertels (Oberösterreich) während der Römischen Kaiserzeit, in: E. Trinkl (Hrsg.), Akten des 14. Österreichischen Archäologentages am Institut für Archäologie der Universität Graz vom 19. bis 21. April 2012 (Wien 2014) 323–329.
  • V. Gassner – R. Ployer, Die villa rustica auf dem Haushamer Feld in Pfaffing. Ein Beitrag zur römerzeitlichen Besiedlung des Vöcklatals (Oberösterreich), Netzwerk Geschichte Österreich Jahresschrift 2, 2013, 77–82.
  • R. Ployer, Ein römischer Gutshof auf dem Haushamer Feld bei Pfaffing, Bezirk Vöcklabruck. Die Ergebnisse der Grabungskampagnen 2011-2012, OÖ. Heimatblätter 67, Heft 3/4, 2013, 145–157.
  • V. Gassner – R. Ployer, Grabungskampagne 2013 auf dem Haushamer Feld bei Pfaffing, Archäologie Österreichs 24/2, 2013, 25–27.
  • V. Gassner – R. Ployer, Die Villa rustica auf dem Haushamer Feld. Die Ergebnisse der Kampagnen 2011-2012, Forum Archaeologiae 65/XII/2012 (http://farch.net).
  • R. Ployer, Das südliche Hausruckviertel (Oberösterreich) in römischer Zeit, Forum Archaeologiae 63/VI/2012 (http://farch.net).
  • N. Buthmann – V. Gassner – R. Ployer – B. Zickgraf, KG Pfaffing, OG Pfaffing, in: Berichte zu archäologischen Maßnahmen, Fundberichte aus Österreich 51, 2012 (Horn 2013) 271–273.
  • V. Gassner – R. Ployer, Archäologische Untersuchungen im Bereich der Villa rustica auf dem Haushamer Feld bei Pfaffing, Archäologie Österreichs 23/2, 2012, 19–21.
  • V. Gassner – R. Ployer, KG Pfaffing, OG Pfaffing, in: Berichte zu archäologischen Maßnahmen, Fundberichte aus Österreich 50, 2011 (Horn 2012) 347–349 Abb. 82.
  • V. Gassner – R. Ployer, Archäologische Untersuchungen auf dem Haushamerfeld in Pfaffing, Archäologie Österreichs 22/2, 2011, 13–14.

 

 

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