Hinweise zum Studium der Provinzialrömischen Archäologie in Wien

Die Beschäftigung mit der Provinzialrömischen Archäologie hat sich im Bereich der deutschsprachigen Archäologie erst relativ spät aus der Klassischen Archäologie heraus entwickelt. Während sich die Provinzialrömische Archäologie in Deutschland im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts als eigenes Fach etabliert hat (erste Professur 1970 in München), nahm die Entwicklung in Österreich ausgehend von Alexander Conze eine eigenständige Richtung, sodaß Provinzialrömische Archäologie in Österreich noch immer Teil der Klassischen Archäologie ist.

Für die Studierenden der Provinzialrömischen Archäologie in Wien ergeben sich dabei Vor- und Nachteile im Vergleich zu ihren deutschen KollegInnen. Zu den Nachteilen zählt zweifellos, daß die für die Provinzialrömische Archäologie zur Verfügung stehenden Stunden viel geringer sind, und das Lehrangebot nicht so umfassend wie an einschlägigen deutschen Instituten ist. Zu den Vorteilen zählt, daß durch die Beschäftigung mit der römischen Archäologie die römischen Provinzen besser als Teil des gesamten Imperium Romanum begriffen werden können.

Studierenden, die erwägen den Schwerpunkt ihres Studiums auf die Provinzialrömische Archäologie zu legen, wird daher – vor allem in Hinblick auf das Masterstudium – Folgendes empfohlen: 

  • Belegen Sie im BA-Studium als Wahlmodule die Bereiche "Griechisch-römische Archäologie (Schwerpunkt römisch)" und "Provinzialrömische Archäologie" (je ein PS und eine VO). 
  • Wählen Sie im weiteren Verlauf des BA ebenso mindestens ein SE aus diesen beiden Bereichen, bspw. für die Alternative Pflichtmodulgruppe "1" oder "5", zuzüglich eine VO oder einen KU für das "Alternative Pflichtmodul Exkursion", sofern die Exkursion im kontextuellen Zusammenhang mit der Provinzialrömischen Archäologie steht, bzw. für das "Alternative Pflichtmodul Lehrgrabung". Setzen Sie desweitern die VO oder das SE im "Schwerpunkt A" des MA-Studiums in den Bereich Provinzialrömische Archäologie. 
  • Ergänzen Sie Ihr Studium v.a. im Bereich der Erweiterungscurricula und der Alternativen Pflichtmodulgruppen "2", "3" oder "6", durch LVA der Ur- und Frühgeschichte: besonders zu empfehlen sind LVA über die Eisenzeit, die römerzeitlichen Germanen sowie die Völkerwanderungszeit. Es gilt zu beachten, dass nur eine Alternative Pflichtmodulgruppe wählbar ist, d.h. wenn die Alternative Pflichtmodulgruppe "1" oder "5" bereits gewählt wurde, bleibt nur noch die Möglichkeit, LVA am Institut für Ur- und Frühgeschichte durch das Erweiterungscurriculum "Prähistorische und Historische Archäologien" zu belegen. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Sie LVA, die Sie nicht zur unmittelbaren Abdeckung des vorgeschriebenen Studienplans benötigen, im sogenannten Interessensmodul sammeln.

    Belegen Sie weiters im Rahmen des "Interdisziplinären Moduls" des MA-Studiums oben genannte LVA. 
  • Ebenso nützlich sind LVA aus dem Bereich der lateinischen Epigraphik sowie der Numismatik, im Rahmen der Erweiterungscurricula "Alte Geschichte", "Griechisch-Römische Geschichte" bzw. "Numismatik". 

Bedenken Sie, dass ohne die entsprechende Vorbildung der erfolgreiche Abschluss einer Masterarbeit oder Dissertation aus dem Bereich der Provinzialrömischen Archäologie kaum möglich ist. Als Voraussetzung für die Vergabe eines entsprechenden Themas setze ich daher den nachweislichen Besuch mindestens eines Seminars Provinzialrömische Archäologie sowie einschlägiger VO oder KU voraus.

Verena Gassner

 

Literaturhinweise:

  • Zur Entwicklung der provinzialrömischen Forschung in Deutschland vgl. z. B. H. U. Nuber, Provinzialrömische Archäologie an deutschen Universitäten, in: Provinzialrömische Forschungen. Festschrift für Günter Ulbert zum 65. Geburtstag (1995) 397 ff.
  • Zur Geschichte des Instituts für Klassische Archäologie der Universität Wien vgl. V. Gassner, Zur Geschichte des Instituts für Klassische Archäologie der Universität Wien, Forum Archaeologiae 17/XII/2000.