Die Archäologie des Ḥaurān in römischer Zeit – Materielle Kultur als Ausdruck eines regionalen Selbstverständnisses

V O R T R A G – SR 12

Anna Katharina Rieger (Universität Graz)

Die, 16. Dezember 2025, um 18 Uhr s. t.

V O R T R A G – SR 12

Die, 16. Dezember 2025, um 18 Uhr s. t.

Anna Katharina Rieger (Universität Graz)

Der Ḥaurān (S-Syrien/N-Jordanien) ist eine semi-aride, ökologisch vielfältige Region, deren Nutzung in der römischen Antike einerseits in einer Vielzahl von Siedlungen und Landwirtschaft, andererseits in Lagerplätzen und mobiler Viehzucht bestand. Lange konnte der Ḥaurān als Paradebeispiel für eine Forschungstradition in der Archäologie gelten, die die materielle Kultur einer Region vornehmlich als Reaktion auf Einflüsse aus (urbanen) Zentren des Imperiums interpretiert und damit auch zweitklassig angesehen hat. 
Ausgehend von Siedlungsstruktur, architektonischer Formensprache, religiösen Bauten und Skulptur hinterfragt der Vortrag diese Zentrum-Peripherie-Perspektive und fokussiert sich auf lokale Elemente, die sich in Architektur und Artefakten finden. Die Hypothese lautet, dass Auftraggeberinnen und Handwerker im Ḥaurān die künstlerischen Strömungen und Motivik der Zeit selektiv aufgriffen, adaptierten oder bewusst ablehnten. Eine Analyse von Formen, Motiven und Stil, die sich im Ḥaurān finden – oder eben nicht – sowie eine stilistisch-handwerkliche Revision der Bauten und Artefakte zeigen, dass an ihnen ein Streben nach sozialer Abgrenzung und lokaler Resonanz zum Ausdruck kommt. Daraus lässt sich ein regionales Selbstverständnis rekonstruieren, das sich in der Eigenständigkeit der materiellen Kultur manifestiert. 

Kontaktperson: Astrid Schmölzer

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Bostra (Ḥaurān) in einem Luftbild aus dem Jahr 1934 (Library of Congress, Prints & Photographs Division, LC-DIG-matpc-15960)