Habilitationsprojekt: Die Verbreitung von Reliquien im spätantiken Mittelmeerraum: Archäologische Zeugnisse in heiligen Räumen

Projektträger: Institut für Klassische Archäologie

Das Thema des Habilitationsprojektes betrifft die Übertragungen (Translationen) von Reliquien im Mittelmeerraum in der Spätantike. Der Schwerpunkt wird auf der Einfuhr der heiligen Überreste in die Regionen des byzantinischen Italien liegen, mit dem Hauptaugenmerk auf der Stadt Rom. Die meisten bisherigen Forschungen, die die spätantiken Reliquien zum Thema hatten, waren auf die Untersuchung dieser Objekte in einem statischen Zustand gerichtet, wobei sie sich insbesondere auf deren materielle Typologie und Verehrung konzentrierten. Die Ergebnisse haben oft regionale Andachtspraktiken hervorgehoben, aber den archäologisch überprüfbaren Effekten, die durch die großräumige Übertragung von Reliquien zwischen Orient und Okzident hervorgerufen wurden, wurde nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Tatsächlich hat die Mobilität dieser Objekte häufig nicht nur die Migration bestimmter religiöser Modelle mit sich gebracht, sondern auch die Verbreitung bestimmter Kulte, die mit Martyrern oder Heiligen in Verbindung stehen, die aus Importort als „fremd“ galten.
Die Habilitationsschrift, die archäologische Quellen, materielle Kultur und historisch-epigraphische Daten umfasst, zielt primär darauf ab, die Dynamik der Reliquien zu untersuchen, um ein Referenzmodell zu erstellen, das die verschiedenen Funktionen dieser Objekte beleuchtet. Die heiligen Überreste werden nicht nur in ihren spezifischen Bezugskontexten analysiert, sondern auch als aktiver Bestandteil bei der Bekehrung der lokalen Bevölkerung, der Gründung von Kirchen, Klöstern und Heiligtümern und der Einrichtung bestimmter Pilgerwege.

Die Forschung beginnt mit vier Forschungsfragen:

  • Welche Zentren waren an der „Reise“ von Reliquien im Mittelmeer beteiligt?
  • Welche östlichen Martyrer wurden in den Westen importiert und aus welchem ​​Grund?
  • Wie wurden die Reliquien aus einem typischen Gegenstand religiösen Glaubens zuerst zu einem Instrument imperialer und später päpstlicher Propaganda?
  • Wie hat das Vorhandensein von Reliquien zur Modellierung der sakralen Topografie Roms beigetragen?


Univ.-Ass. Dott. mag. Dott. Davide Bianchi, PhD
e-mail: davide.bianchi@univie.ac.at