Schatz seltener südgallischer Sigillaten – Ein früher südgallischer Terra Sigillata Fundkomplex aus Brigantium/Bregenz (Österreich)

Das Forschungsprojekt verfolgt das Ziel, die bereits begonnene Aufarbeitung eines bedeutenden Terra-Sigillata-Fundkomplexes aus der römerzeitlichen Siedlung Brigantium (Bregenz) weiterzuführen und abzuschließen. Die betreffenden Keramikscherben wurden bereits 1913 gefunden und zwar in unmittelbarer Nachbarschaft eines 2009–2012 ausgegrabenen Geländes, welches Überreste von frühkaiserzeitlichen Militärlagern ans Licht brachte. Abgesehen von den reliefverzierten Fragmenten, welche R. Knorr 1919 publizierte, nahm die provinzialrömische Fachwelt bisher keine Notiz von dem Bregenzer Terra-Sigillata-Fundkomplex von 1913. Das Ensemble umfasst rund 390 Gefäßindividuen aus dem südgallischen Töpferzentrum La Graufesenque. Sowohl das Typenspektrum als auch die Töpferstempel sprechen für eine tiberische bis frühclaudische Zeitstellung dieses Fundes.

Erste Arbeiten an den Sigillata-Fragmenten konnten 2014 im Rahmen des TWF-Projekts "Aus der Zeit der frühen Lehmfachwerke… Ausgewählte Holzbaubefunde der frühen Kaiserzeit auf dem südwestlichen Ölrain, Bregenz, Vorarlberg" (Projektleiter K. Oberhofer) an der Universität Innsbruck durchgeführt werden. 2017 konnte ich die Bearbeitung des Fundensembles im Rahmen eines eigenen Forschungsprojekts fortsetzen, welches aus Mitteln des Tiroler Wissenschaftsfonds (TWF) und des Vorarlberg Museums finanziert wurde.

Dank dieser Vorarbeiten konnte bereits eine erste wissenschaftliche Bewertung des Fundkomplexes vorgenommen, die komplette archäologische Dokumentation der Funde durchgeführt und die große wissenschaftliche Relevanz des Ensembles im Rahmen von Vorträgen und Artikeln postuliert werden (siehe Literaturverzeichnis). Letztere liegt in dessen Menge, Zusammensetzung und frühen Datierung. Da bisher nur wenige (geschlossene) Fundkomplexe mit großen Mengen südgallischer Terra-Sigillata-Fragmente tiberischer bis frühclaudischer Zeitstellung außerhalb von La Graufesenque bekannt sind, stellt der Fundkomplex aus Bregenz ein signifikantes Ensemble für die südgallische Sigillataforschung im Generellen dar.

Das noch ausstehende Hauptziel des Forschungsprojekts ist die Erstellung eines druckfertigen Manuskripts, welches alle relevanten Informationen (Katalog, Tafeln, Stempelliste, Beobachtungen zur Formentwicklung etc.) zu den 1913 geborgenen Sigillatagefäßen enthalten soll. Des Weiteren sollen statistische Analysen und Vergleichsstudien mit anderen frühen südgallischen Sigillata-Ensembles erfolgen, um die Datierung des Fundes zu untermauern bzw. präzisieren und um nähere Aussagen zum Charakter des Fundkomplexes treffen zu können. Abgerundet werden sollen die Untersuchungen durch Überlegungen zum historischen Hintergrund, welcher diesen interessanten Fundkomplex erstens nach Bregenz und zweitens unter die Erde brachte.

Projekt-relevante Literatur:

  • A. Hild, Archäologische Forschungen in Bregenz. Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Instituts 26, 1930, 115–176 bes. 148 f.
  • R. Knorr, Töpfer und Fabriken verzierter Terra Sigillata des ersten Jahrhunderts (Stuttgart 1919).
  • J. Kopf, Early South Gaulish Samian Ware from the southwestern settlement area of Brigantium/Bregenz (Austria). In: S. Biegert (ed.), Rei Cretariae Romanae Fautorum Acta 44. Congressus Vicesimus Nonus Rei Cretariae Romanae Fautorum Coloniae Ulpiae Traianae Habitus MMXIV (Bonn 2016) 505–512.
  • J. Kopf/K. Oberhofer, "Eine (aber) ganz fabelhafte Ausbeute…" – Neue Aspekte zur Grabung 1911–1913 auf dem Bregenzer Ölrain. In: G. Schörner/K. Meinecke, Akten des 16. Österreichischen Archäologentages am Institut für Klassische Archäologie der Universität Wien vom 25. bis 27. Februar 2016 (Wien 2018) 257–274.

Julia Kopf
E-Mail: Julia.Kopf@univie.ac.at