Wohngebäude, Vereinshaus oder Hospiz?

Bauforschung und dreidimensionale Rekonstruktion eines singulären Gebäudes im römischen Bregenz

Projektträger: Institut für Klassische Archäologie

Projektleitung: Dr. Julia Kopf

Mitarbeiter*innen: Dipl. Ing. (FH) Sabrina Geiermann (scandric 3D Solutions), Tomáš Sobihard, BA

Finanzierung: Amt der Vorarlberger Landesregierung und vorarlberg museum

Kooperationspartner: Dr. Karl Oberhofer (Universität zu Köln)

Im Rahmen eines interdisziplinär angelegten Forschungsprojektes soll das im römischen Bregenz singuläre Gebäude Nr. 7 in Bezug auf seine funktionale Bedeutung näher untersucht werden. Nach der wissenschaftlichen Dokumentation und Auswertung der Funde aus den Grabungen zwischen 1880 und 2010 im Rahmen eines FWF-Projekts (P23777 – Leitung: Assoz.-Prof. Mag. Dr. G. Grabherr, Univ. Innsbruck) lässt sich der Zweck des in den Jahren um 70 n. Chr. gebauten Gebäudes weiterhin nicht zweifelsfrei fassen. Bis dato wurden Ansprachen als Wohngebäude oder Hospiz vorgeschlagen, ohne den Befund jemals bauhistorisch präzise einzuordnen. Im Zuge der jüngsten Auswertung der Baureste hat sich eine weitere Deutungsmöglichkeit – Vereinshaus eines römerzeitlichen Collegiums – herauskristallisiert, welche es allerdings ebenfalls noch näher zu überprüfen gilt. Die herausragende Stellung des Gebäudes wird auch anhand der hier gefundenen, bis heute einzigen mensa ponderaria im heutigen Österreich offensichtlich.

Im Sinne einer historischen Bauforschung soll der Komplex in Zusammenarbeit mit einer Ingenieurin im Fachbereich Architektur analysiert sowie ein funktionales Konzept erstellt und eine dreidimensionale Rekonstruktion des Gebäudes umgesetzt werden. Dies soll nicht nur die Eingrenzung der ehemaligen Funktion des Gebäudes ermöglichen, sondern auch einen Mehrwert für eine unmittelbare, transferorientierte Kulturvermittlung schaffen.

Plan der Steingebäude A-C nach Jenny 1896 (= Geb. 7, 6, 5 nach Jenny 1898; vgl. Oberhofer / Picker / Reiterer 2016).

Literatur:

  • M. Bader, Militärische und zivile Siedlungsreste aus der Römerzeit am Böckleareal in Bregenz. Ein Vorbericht. Jahrb. Vorarlberger Landesmusver. 2011, 8−67.
  • S. Jenny, Bauliche Überreste von Brigantium. Jahrb. Vorarlberger Landesmusver. 1896, 16–25.
  • S. Jenny, Topographie von Brigantium. Mittheilungen der K.K. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und Historischen Denkmale 24, 1898, 157–160.
  • J. Kopf / K. Oberhofer, Forschungsprojekt Bregenz Böckleareal: eine Zwischenbilanz. In: Ch. Baur (Hrsg.), Ausgraben – Dokumentieren – Präsentieren. Jahresbericht des Instituts für Archäologien der Universität Innsbruck 2013 (Innsbruck 2015) 34 f.
  • K. Oberhofer, Zwei bemerkenswerte Hohlmaßsteine aus Brigantium/Bregenz: Neue Erkenntnisse zur mensa ponderaria. Arch. Korrbl. 50, 1, 2020, 57–75.
  • K. Oberhofer / A. Picker / U. Reiterer, Von der groma zum GIS. Der digitale Stadtplan von Brigantium/Bregenz. Fundber. Österreich 55, 2016 (2018), 535–554.