Schlonak? ( شلونك ) – Wie es uns auf der Lehrgrabung ging.

Komm mit uns auf Grabung nach Jordanien!

Das Abenteuer begann am 21. August um circa 15:40 Uhr, als wir in Amman ankamen und am Flughafen mit traditioneller Dudelsackmusik begrüßt wurden. Die Stimmung war ausgelassen und sofort fühlten wir uns willkommen und wussten, dass Jordanien und diese Ausgrabung eine einzigartige Erfahrung werden würden.

Den ersten Abend in Madaba verbrachten wir – wie die meisten weiteren auch – auf der Dachterrasse unter dem Sternenhimmel, mit Blick auf die Kirche des Heiligen Johannes des Täufers und die große König Hussain Moschee. Zum Einstieg in die lokale Küche gab es Falafel-Sandwiches, einen unserer Lieblingssnacks für die nächsten Wochen.

Die ersten Tage auf der Site standen unter den Mottos „Eins werden mit den Steinen“ und „Die Steine müssen weg“, die das Abtragen der rezenten Schichten der beiden Schnitte und die Entfernung sehr vieler kleiner und große Steine mit sich brachten. Doch wir lernten schnell, mit vereinten Kräften schafft man alles, auch wenn man es manchmal kaum glauben kann.  

Auch die tägliche Routine stellte sich schneller ein als gedacht – wobei das Aufstehen um 4 Uhr morgens niemandem leichtfällt. Doch dank des Morgengebets, das zur selben Zeit begann wie unsere Wecker klingelten, konnte zumindest niemand verschlafen. Um 5:15 Uhr ging es dann ab auf die Site und um 06:00 – oder etwas später, wenn Abu Nader mit unserem Arbeitsequipment verschlief – ging die Arbeit dann los.

Nachdem wir uns nach den ersten paar Tagen an den Grabungsalltag gewöhnt hatten, konnten wir auch bereits die ersten Ergebnisse unserer Arbeit sehen: erkennbare Mauerkronen, Bögen und bauliche Strukturen in situ, sowie zahlreiche Funde wurden mit unserer Hilfe freigelegt. Neben dem Graben, Steine Tragen und Mauern Putzen, zählten natürlich auch Dokumentationsarbeiten wie Fotografieren, Vermessen und Beschreiben zu den Aufgaben auf der Fläche.

Die Arbeitstage „on site“ endeten hitzebedingt gegen Mittag. Nach einem kleinen Mittagessen und einer wohlverdienten Mittagspause gab es auch nachmittags in der Unterkunft jede Menge zu tun: Scherben wollten gewaschen, Knochen fotografiert und Mühlsteine beschrieben werden. Nach den ersten Wochen war klar, dass dieses Jahr besonders viele Funde ans Licht kamen und so entstand schnell ein kleines Freilichtmuseum, welches auf unserer Dachterrasse auf seine Bearbeitung wartete. Dank unserer Tutorin Kathi entwickelte sich ein hervorragendes System, mit dem die Funde sorgfältig dokumentiert und trotz der großen Menge gut bewältigt wurden.

Sowohl auf der Fläche als auch bei der Bearbeitung der Funde hatten wir bald unseren Rhythmus gefunden und die Arbeit ging stetig voran. Und getreu dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss“ forderte die letzte Woche dann unsere ganze Aufmerksamkeit und jede Menge Teamwork – denn unter den Fußbodenplatten von Schnitt 7 legten wir 4 Gräber frei. Für uns alle eine ganz neue Erfahrung und sehr aufregend, ging es doch darum, mit menschlichen Skeletten zu arbeiten. Trotz der guten Vorbereitung waren die letzten Tage eine Herausforderung für alle, die wir gemeinsam jedoch erfolgreich meisterten und es so schafften, alle Befunde und Funde vor unserer Abfahrt zu dokumentieren.

Neben den Wochen im Feld gab es auch freie Tage, die für Ausflüge genutzt wurden: So galt es, die archäologischen Stätten von Petra, Jerash, Mount Nebo und natürlich Madaba zu erkunden, aber auch ein Ausflug zum Baden im Toten Meer durfte nicht fehlen. Wir haben in der Zeit in Jordanien Freundschaften geknüpft, Katzen gestreichelt, Mosaike betrachtet, Roadtrips erlebt und hervorragend gegessen. Unsere liebste Beschäftigung war es jedoch, abends nach dem Essen auf der Dachterrasse zu sitzen, den Ausblick zu genießen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Und viele Abende endeten dort mit einem Gläschen jordanischem Arak.

Zusammenfassend war die Grabung in Jordanien eine wundervolle Zeit, die wir nie vergessen werden, geprägt von vielen einzigartigen Erlebnissen. Vielen Dank an das gesamte Team – Fanny, Kathi, Lisa, Michi und Tom – sowie an unsere Kommiliton*innen, die jeden Tag zu einem unvergesslichen gemacht haben. Den größten Dank aber verdient unsere Professora, Prof. Basema Hamarneh, ohne sie wäre die Grabung nicht so lehrreich und humorvoll gewesen, wie sie letztlich war.