Archäologische Zeugnisse frühkaiserzeitlicher Militärpräsenz aus Brigantium/Bregenz

In meiner Dissertation wurden die bislang bekannten Funde und Befunde militärischen Charakters aus der Frühzeit der römerzeitlichen Siedlung Brigantium, dem heutigen Bregenz, analysiert. Im Laufe der über 150-jährigen Ausgrabungsgeschichte in Bregenz wurden zahlreiche Überreste römischer Soldatenausrüstung und auch militärisch interpretierte Bauspuren der frühen Kaiserzeit entdeckt. Durch Feldforschungen in den Jahren 2009–2012 erfuhr die archäologische Hinterlassenschaft militärischen Charakters aus Brigantium eine beträchtliche Vermehrung. Die Auswertung der militärischen Baureste und Kleinfunde aus den zugehörigen Schichten der Grabungen dieser Jahre am sogenannten Böckleareal stand daher im Fokus der Doktorarbeit. Im Zuge der wissenschaftlichen Analyse dieser archäologischen Überreste konnten – in erster Linie anhand von Befunden der Umwehrung – drei (Bau-)Perioden definiert werden, welche zwei wohl augusteische Militäranlagen sowie ein zweiphasiges Standlager der tiberisch–frühclaudischen Zeit umfassen.
Den zweiten Schwerpunkt der Arbeit bildete die Vorlage sämtlicher bislang in Bregenz ans Tageslicht geförderter militärischer Kleinfunde der frühen römischen Kaiserzeit. Insgesamt wurden 302 Militaria- und Pferdegeschirr-Objekte vorgelegt. Die antiquarische Fundanalyse wurde ergänzt durch Ausführungen zum Datierungsrahmen bzw. Datierungsschwerpunkten der präsentierten Objekte, durch Überlegungen zu den hier möglicherweise stationierten Truppen sowie durch Fundverbreitungskarten innerhalb der römerzeitlichen Siedlungsfläche. Letztere ermöglichten in Zusammenschau mit Bauresten früherer Grabungen in Bregenz Anhaltspunkte zur Größe der frühkaiserzeitlichen Militäranlagen, wenngleich in diesem Punkt aufgrund der bisher nur punktuellen archäologischen Erforschung dieser Siedlungsperiode noch manches offen bleiben muss.
Im abschließenden Teil der Doktorarbeit wurde versucht, die in Bregenz entdeckten Militäranlagen unter Berücksichtigung benachbarter Militärstandorte in die frühkaiserzeitliche Befestigungspolitik im helvetisch-raetischen Gebiet einzuordnen. Dabei wurde deutlich, dass vom Hochrhein und dem angrenzenden Gebiet zahlreiche Zeugnisse römischer Militärpräsenz der augusteischen Zeit vorliegen, während über die Verwaltung und militärische Besatzung des Gebiets zwischen Bodensee und Inn sowie zwischen Alpenrand und Donau in mittel- und spätaugusteischer Zeit (15 v. – 14 n. Chr.) archäologisch nur wenig bekannt ist. Die ältesten Militärlagerspuren aus Bregenz können dabei helfen, diese Forschungslücke etwas zu verkleinern. In der tiberischen Zeit gehörte Brigantium dann dank seiner Lage an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt und aufgrund des dortigen Standlagers zu den bedeutendsten Siedlungen im Alpenvorland und hatte zentralörtliche Funktionen inne.

Julia Kopf
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